Was Segeln so besonders macht

Segeln erfordert aufgrund seiner vielfältigen Beanspruchung eine umfassende Wahrnehmung, bestehend aus Sehen, Hören, Fühlen, Kondition, Koordination, Körpererfahrung. Segeln erfordert und fördert eine große Palette von motorischen Aspekten. Es vermittelt den Menschen eine Vielfalt an Erfahrungen mit Elementarkräften, die im alltäglichen Leben oft gar nicht mehr gemacht werden können. Ähnlich wie im Skisport kann Segeln gerade für das relativ erfahrungsarme Leben der Menschen von heute ein wichtiger Faktor zu einer sinnvollen Lebensgestaltung sein.

Beim Segeln werden in einzigartiger Weise die drei Verhaltensbereiche des Menschen angesprochen: motorisch im Sinne vielfältiger Bewegungsformen; kognitiv im Sinne einer umfangreichen Theorie des Segelsports und praktischer Intelligenz bei der Bewältigung komplexer Handlungsvollzüge; affektiv im Sinne der Auseinandersetzung mit verschiedenen Aspekten wie Angst, Wille, Einsatz, Durchhaltevermögen, Kameradschaft, Verlässlichkeit und Freude.

Der Segelsport stellt außerdem ein ideales Übungsfeld für alle drei Dimensionen der Fairness dar: fair gegenüber der eigenen Person, fair gegenüber der Natur und Umwelt und fair gegenüber anderen Menschen. Der Segelsport kann einer ganzheitlichen und umfassenden Sichtweise von Fairness in Bewegung, Spiel und Sport zum Durchbruch verhelfen.

Bezogen auf die zwei Grundkräfte Wasser und Wind können Menschen im Segelsport Primärerfahrungen sammeln, die sie im normalen Alltag häufig nicht mehr machen können. Diese sind auch zu sehen unter dem Aspekt einer zunehmend virtuellen Welt, in der die künstliche Simulation vorherrscht.

Die Natursportarten haben deshalb gleichsam als eine Agentur zur Vermittlung dieser für menschliches Leben notwendigen Primärerfahrungen eine ganz neue und sehr wichtige Verantwortung übernommen.

 

Quelle:
Thesen des Sportwissenschaftlers Professor Dr. H. Haag 
Institut für Sport und Sportwissenschaften, Universität Kiel